Nestelbänder

Auf vielen Wegen lassen sich Kordeln und Bänder herstellen, mit denen zum Beispiel Beutel zugeschnürt, Amulette oder Anhänger befestigt oder Haare zusammengebunden werden können. Besonders mit dem Aufkommen von einer Mode, die als zentrales Element Schnürungen und Bänder aufweist, entwickelten sich vielfache Techniken des sogenannten Nestelns - der Begriff Nestel beschreibt ein nach bestimmter Technik mittels Schlaufen gewobenes Band, an dessen Ende metallene Nestelspitzen angebracht sind. Bis heute hat sich der Begriff "an etwas herumnesteln" erhalten, nicht umsonst - eine ganze Zeit lang hielten Nesteln die Kleidung beisammen.

An ein paar beispielhaft ausgewählten Auschnitten aus Illustrationen aus dem 15. Jahrhundert können hier mögliche Anwendungsbereiche aufgezeigt werden:

 Beispiele für Schnürungen mit Nesteln

Links: Frankfurt 1471. Ms. germ. qu. 12 - Die sieben weisen Meister, fol. 39v
Mitte: Wolfegger Hausbuch, nach 1480: "die Niederwildjagd" fol. 23v–24r
Rechts: Stuttgart 1477. Cod. Pal. germ. 16, fol. 070v

Bei den Männern hielten Nestelbänder zum Beispiel die Hose, da Wams und Hose zusammengenestelt wurden. Auch der Schamlatz wurde von Nesteln gehalten. Das Wams konnte auf verschiedene Art und Weise frontal geschnürt sein, bei manchen die Ärmel separat angenestelt werden. Besonders stabile Nesteln wurden auch für bestimmte Rüstteile verwendet.

geschnürtes HauskleidDie sehr engen Kleider der Frauen konnten gehakt oder mittels langer Nestelbänder geschnürt werden, auch angenestelte oder geschnürte Ärmel sind möglich. Bei meinem eigenen neuesten Hauskleid sind neben der Front auch die Unterarme am Handgelenkt geschnürt.

Eine tolle Sammlung überlieferter Techniken findet sich hier, einiges davon habe ich bereits erfolgreich ausprobiert, mit normaler Strick- und pflanzengefärbter Wolle, Seide und flauschiger Filzwolle für Ziergürtel und Riemen. Bei letzterer ist es aber sinnvoll, zu zweit zu arbeiten, denn die Schlaufen reiben sich aneinander schneNesteln im Lagerll auf und zerreißen. Besonders zu empfehlen sind die Muster Nummer zwei, sechs und fünfzehn, wobei Numer 15 schon ein wenig anspruchsvoller ist, besonders wenn man lange Schlaufen verarbeitet.

Sehr gute Anleitungen für simple Techniken sind auch hier beschrieben. Besonders das "Kreuzen" geht fast von selbst.

Zu erwähnen ist, dass auch wenn es praktisch, woll- und zeitsparend ist, das sogenannte "Dünteln" bislang nicht belegt werden konnte.