Nadelbinden

 

Mütze und Fäustling Sonja

Das Nadelbinden ist eine sehr alte und Technik zur Textilherstellung, die  von Nordeuropa bis Ägypten in vollständigen und fragmenthaften Textilfunden nachzuverfolgen ist. Die ältesten Textilfunde zum Nadelbinden sind Fischernetze - das bis dato älteste hiervon wurde in Brandenburg gefunden und wird auf das Mesolithikum im 7. Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung datiert! (*)

 

Während in Skandinavien auch heute noch alltäglich genadelt wird, hat sich in Zentraleuropa in der frühen Neuzeit allmählich das Stricken (das spätestens im späten Mittelalter in glatten rechten Maschen bekannt aber wenig verbretet war) und noch später dann das Häkeln durchgesetzt und das Nadelbinden in beinahe völlige Vergessenheit gedrängt - schade eigentlich, denn das Webbild von Genadeltem ist sehr hübsch und stabil. Der auffälligste Unterschied zum Stricken und Häkeln ist die Verwendung von endlichen Fäden statt eines Wollknäuels, außerdem die Tatsache, dass sich beim Anziehen am Arbeitsfaden das Gewebe nicht aufribbelt sondern ein Knoten entsteht. Wie beim Häkeln mit festen Maschen hat man immer nur eine Schlaufen offen und bildet neue durch Einstechen in die Vorreihe - oder aber durch Luftmaschen. Wenn man also einmal den Grundstich heraushat, ist das Planen von Werkstücken mit ein bisschen Häkelerfahrung gar nicht schwer!

genadelte Socke WIPArbeitsgerät und Namensgeber ist eine große, abgestumpfte Nadel, aus Holz oder Bein - unter uns, meine erste Nadel für Probestücke zuhause hab ich mir aus einem Magnum-Eisstiel geschnitzt. Hat getaugt und damit hab ich die Technik schnell gelernt. Inzwischen benutze ich eine 13,5cm lange flache Ahle aus Bein, die ist hübsch, nach einem Fund gearbeitet und lässt sich zwischendurch auch ganz nett als Haarnadel verwenden. ;)

In dem Bild links sieht man eine große Männersocke, an der ich zur Zeit arbeite, zum Größenvergleich die Beinahle. Man sieht gut die beiden offenen Maschen zur Ferse und in Richtung Schaft - hier muss man beim Arbeiten aufpassen, dass die jeweils andere offene Masche nicht verfilzt oder sich zuzieht. Das Ende eines Arbeitsfaden wird mit einem neuen Stück Wolle verzwirbelt, sodass im Gewebe keine Knoten entstehen. Mal sehen, wie lange ich für dieses Monstrum von Socke noch brauche!

Allen, die sich selbst einmal am Nadelbinden versuchen möchten, kann ich die Anleitung von Flinkhand ans Herz legen, neben dem Grundprinzip sind auch Anleitungen für Fäustlinge, Socken und Mützen aufgeführt. Ich selbst arbeite mit Daumenfesseln, eine weitere sehr häufige Technik ist der sogenannte Oslo-Stich.

 

Abseits vom Ausprobieren zuhause kann man natürlich auch auf Lager den Nadlern über die Schulter gucken.

 


* (Quelle: von Freeden, Uta; von Schnurbein, Siegmar (Hrsg): Germanica. Unsere Vorfahren von der Steinzeit bis zum Mittelalter, Konrad Theiss Verlag GmbH, Stuttgart, 2002.)