Kammweben

Weben ist, was die Textilverarbeitung angeht, die älteste und grundlegenste Technik überhaupt - in diesem kleinen Artikel möchte ich eine kleine aber feine Unterart des Webens, das Kammweben, vorstellen. Mit dieser Technik können Riemen, Gürtel, Borten, Nahtversäuberungen und andere Bänder hergestellt werden.

 

So ein Webkamm ist ein aberwitzig intelligentes Werkzeug, durch die Anordnung von Loch und Schlitz im Wechsel wird die eine Hälfte der Fäden ordentlich aufgereiht fixiert und mit dem Kamm bewegt, während die andere Hälfte innerhalb der Schlitze frei aber in Reih und Glied bleibt. So öffnen sich durch Hoch- und Runterziehen des Kammes die Fächer, durch die das Webschiffchen geschoben werden kann - anders als beim umständlichen Weben im Handarbeitsunterricht der guten alten Schulzeit, wo man sich mit dem Webschiffchen durch die einzelnen Fäden arbeiten musste.

römischer Webkamm

Webkamm 1000-1500Auf die kluge Idee, einen solchen Webkamm zu benutzen, kamen die Menschen schon recht früh - das Photo rechts zeigt einen römischen Webkamm, ausgestellt im Hancock Museum. Der linke Webkamm aus Horn wurde in Gotland gefunden und auf das frühe Mittelalter datiert. Die Technik entwickelte sich im Lauf der Zeit rapide weiter und ging in manchen Kulturkreisen nie verloren.

 

schwedische Webkämme als Flirtgeschenke

Waren schon die beiden älteren Beispiele für erhaltene Webkämmehübsch verziert, so sieht man auf dieser bunten Ansammlung wunderhübscher Webkämme aus Schweden, wie so ein Kamm aussehen kann, wenn man den Verzierregler ganz auf Anschlag dreht - wobei bei den Schweden ein solcher Kamm der Tradition nach auch als Flirtversuch gebaut und der Angebeteten geschenkt wurde, was die Kunstfertigkeit mancher der Stücke nachvollziehbarer macht. Das Material für Webkämme ist durch die Epochen hindurch vielfältig, von Metall und Horn über bemaltes oder naturbelassenes Holz bis hin zu Plastikwebkämmen.

 

 

 

 So viel zu dem Werkzeug, nun aber endlich zum Werkstück!

Anders als beim Brettchenweben öffnen sich beim Kammweben grundlegend zwei Fächer - zumindest bei dem Basismodel mit einer Reihe Löcher und den Schlitzen.

Muster KammwebenFoulkes Cover Band Weaving

Auch wenn durchaus aufwändige Muster auch mit dem Kamm möglich sind, bietet das einfache Auf und Nieder der zwei Fächer an sich schon genug wundervolle Möglichkeiten - beispielsweise diese tollen bunten Mustervorlagen rechts oder auch die Beispiele auf dem Cover von Susan Foulkes "The Art of Simple Band Weaving".

Für derartige Muster braucht man allerdings nicht nur einen genauen Plan für die Anordnung der einzelnen Fäden, sondern auch einen breiten Webkamm mit genug Löchern und Schlitzen! Aber auch mit schmalen Webkämmen lassen sich einfache Muster weben, oder eben einfarbige Bänder. Meine drei Webkämme, die mir zwei talentierte Holzwerker aus der frzb geschnitzt haben, sind jeweils 14, 15 und 17 Loch breit. Damit fertige ich sowohl gemusterte als auch einfarbige Bänder:

 

                              kammgewebt Sonja

 

 

Quellen WIP: 
Gotland Webkamm: http://mis.historiska.se/mis/sok/fid.asp?fid=120034&page=1&in=1
römischer Webkamm: https://www.flickr.com/photos/49555967@N06/5814588509/in/dateposted/ (leider nicht datiert)
Schwedische Flirtkämme: http://reggiesreenactments.blogspot.de/2013/12/tradition-of-carving-tape-loom-for-your.html (leider ohne Datierung)