Handwerk - wer macht denn sowas?

Genau das habe ich mich anfangs auch gefragt, als ich ins Reenactment eingestiegen bin.

Mittlerweile habe ich selbst einige Repliken angefertigt und möchte mich deshalb für meine kommenden Beiträge auf dieser Website vorstellen.

 

Kurz und bündig zu mir:

Ich bin Alexander, Jahrgang 1996. Hauptberuflich in der Automobilindustrie tätig, habe ich bereits zur Schulzeit das Schmiedehandwerk für mich entdeckt und seitdem auch kräftig ausgebaut. Seit 2014 bei der frzb aktiv, baue ich gerade eine Handwerker-Darstellung aus Haithabu um ca. 1000 n. Chr. auf. Natürlich ist die Metallverarbeitung, Schmieden im Speziellen, mein Steckenpferd, allerdings mache ich auch Holz- und Lederarbeiten.

 

 

Weshalb es erstrebenswert ist, mit möglichst historischen Mitteln Repliken zu fertigen?


Die Handwerkskunst, mit der gearbeitet wurde, übertrifft die Vorstellungen. Immer wieder wird man überrascht von der Pfiffigkeit und der hohen Fertigkeit der Handwerker der damaligen Zeit.    

Selbst unter Verwendung moderner Werkzeuge stößt man sehr oft an die Grenzen des Machbaren, die damals spielend gemeistert wurden. Man bekommt ein großes Respektgefühl vor dem Handwerk und den Menschen, die es ausgeübt haben, welches heutzutage in unserer Gesellschaft flöten geht, um das mal so Platt auszudrücken. Es gilt auch zu verstehen, weshalb manche Gegenstände so gestaltet waren wie zur damaligen Zeit, mal davon abgesehen ob es nun ein Werkzeug wie eine Axt, Haushalts- bzw. Alltagsgegenstände wie Messer oder Schmuck wie z.B. einige Gürtelgarnituren sind. Gleichzeitig ist es aber auch ein erhebendes Gefühl, seine Replikate anschließend in Aktion zu sehen.

Für mich noch wichtig zu erwähnen, bevor ihr nun in den verschiedenen Werkstücken und Repliken sowie deren Herstellung schnuppern könnt, ist: Dass es immer ein bisschen mehr „Authentisch“ geht. Jeder, der heute Repliken anfertigt, oder im Sinne hat diese auf Veranstaltungen zu tragen, sollte den Ehrgeiz und das Selbstverständnis besitzen, sich die Arbeitsweise und Materialkunde anzulernen, möglichst historisch korrekt zu arbeiten und wo es nur geht auf moderne Maschinen zu verzichten. Warum?

Es sollte Wert darauf gelegt werden, einem Besucher der Veranstaltungen ein optisch passendes Werkstück vorzeigen zu können. Beispiel Messer: Meine geschmiedeten Messerklingen schleife ich momentan selbst mit dem Winkelschleifer in Geometrie und Form. Daraus ergibt sich allerdings zwangsläufig, dass anschließend alle radialen Schleifspuren der runden Schleifmittel mit der Hand beseitigt werden müssen. Ob eine Klinge nun mit historischem Knochenleim oder Birkenpech verklebt wurde, oder stattdessen ein moderner Klebstoff verwendet wurde, ist meistens nicht ersichtlich. Könnte sich aber in der Haltbarkeit/Nutzbarkeit des Messers auf längere Sicht auswirken. Wichtig ist, dass am Schluss Besucher und Interessierte auf Veranstaltungen keinen Bären aufgebunden bekommen.

Ich hoffe, euch ein wenig für die Spannung im historischen Handwerk sensibilisiert zu haben. Je näher am Original, desto lobenswerter ist die vorliegende Arbeit. Auf der anderen Seite muss man auch immer bedenken, dass es für uns alle nur ein Hobby ist und jeder in seiner eigenen Geschwindigkeit Fortschritte macht. Wichtig ist nur, dass man sich nicht mit dem aktuellen Können zufrieden gibt und dass wir den Besuchern auf Veranstaltungen lebendige Geschichte vermitteln und kein Fantasy-Moderne-Verschnitt.

 

Fazit: Man muss wissen, wie der historisch korrekte Herstellungsweg ist, sollte den interessierten Besuchern aber auch erklären warum bei diesem Werkstück hier oder dort nicht danach gearbeitet wurde.

Nun aber genug der Schreiberei, ich wünsche euch viel Spaß auf den Seiten der nachstehenden Beiträgen und hoffe, den ein oder anderen damit zum historischen, handwerklichen Arbeiten angestiftet haben zu können.