Auf Wanderschaft

 Pilgerwanderung an der Donau entlang

 Bereits vier Mal hat sich die freie Ritterschaft zu Bayern nun schon ein ganzes Wochenende lang auf Wanderschaft begeben, um in spätmittelalterlicher Bekleidung und mit sämtlichem Reise- und Schlafgepäck auf dem Rücken das Erlebnis einer Pilgerwanderung selbst nachvollziehen zu können. Die Wegstrecken schwanken von zehn bis zu zwanzig Kilometer am Tag, dabei bevorzugen wir Routen im Grünen ohne Asphaltstraßen.

Für die Zukunft geplant ist eine Wanderung mit Pferde- oder Eselskarren, auf welchem Zelte und Lagerzeug mitgeführt werden. Bis dahin laufen wir gemütlich von Station zu Station auf unseren Wanderungen. 

 

 

Das ursprüngliche Pilgern

Etymologie

In seinem Vortrag über das Pilgerwesen Europas im Mittelalter erläutert Prof. Herbers von der Universität Erlangen-Nürnberg die Entwicklung des Begriffs Pilger :

"Peregrinus" heißt im klassischen Latein „Der Fremde" ganz allgemein, es bezeichnete jeden, der unterwegs war. In einem weiteren Entwicklungsschritt, der etwa im 8. Jahrhundert begann und im 12. Jahrhundert weitgehend abgeschlossen war, galt derjenige als "peregrinus", der auf dem Weg zu heiligen Stätten war, ohne daß aber die alte Bedeutung „Fremder“ ganz verschwand.

Als eine dritte Stufe, die allerdings die zweite nie völlig überlagerte, konnte ab dem 15. Jahrhundert z. B. im Deutschen Jakobsbruder oder Muschelbruder, „jacquaire“ im Französischen nicht nur den Pilger bezeichnen, sondern zugleich einen Räuber, Betrüger oder Bettler, der sich des Pilgergewandes vornehmlich bediente, um den sozialen Stand eines Pilgers zu genießen."

 

Ziele

Gepilgert wurde im kleinen und großen Stil - die bekanntesten Pilgerziele sind wohl Santiago de Compostela, Rom und natürlich das Heilige Land, denn auch die bewaffneten Kreuzzügler verstanden sich als Pilger. Aber auch eine Wallfahrt zu näher gelegenen Orten zählt als Pilgerreise, denn als Ziel gilt jeder als heilig betrachteter Ort, etwa eine Wallfahrtskirche, ein Tempel, ein Baumheiligtum oder auch Quellen.

 

1494 Pilger

Ausstattung

 

Das Bild eines Pilgers wird durch ganz bestimmte optische Merkmale geprägt. Sehr schön sieht man diese zum Beispiel auf dem Links abgebildeten Titelblatt von dem 1494 gedruckten Pilgerführer durch Europa von Hermann Künig:

Der breite Hut mit Abzeichen, der "Pellerine" genannte Mantel, ein Wanderstab, eine Umhängetasche.

 

 

 

Pilgerhut Moitzi

Wer sich auf seinen weiten, langen Pilgerstrecken nicht den Scheitel verbrennen oder aber Regen in den Kragen bekommen wollte, griff zu einem Pilgerhut - diese waren meist aus Wollfilz und der Ideale Ort, um Zinnabzeichen oder die typische Jakobsmuschel zu befestigen und sich dem Gegenüber bereits optisch als Pilger darzustellen. Das war nicht unwichtig, denn häufig versuchten Bettler und Gauner, unter dem Deckmantel des Pilgerns Geld und Lebensmittel zu erbetteln. Der rechts abgebildete Hut nebst Vorlage stammt aus dem sehr sehenswerten Projektblog von Andreas Moitzi: http://am-jakobsweg.blogspot.de/

 

Pellerine

Um sich vor Regen, Wind und Wetter zu schützen, trug ein Pilger einen dichten Mantel, zum Beispiel wie diese Pellerine aus gewachstem Rindsleder, gefunden in einem Grab in Lourdes und auf das Jahr 1500 datiert. An diesem Fund sind Jakobsmuscheln befestigt, was ihren ehemaligen Besitzer als Pilger auf dem Weg von Santiago de Compostelle nach Hause ausweist.

 

pilgertasche macejowski

 

Typisch und praktisch für jeden Pilger ist jene Umhängetasche mit breiter Klappe, bisweilen auch Troddeln und sogar Verzierungen mit Perlen oder gewebten Bändern, die bereits in der Macejowskibibel abgebildet ist. Hier können etwas Reiseproviant und andere Kleinigkeiten verstaut werden.

 

Weitere Details wie Trinkflaschen aus Flaschenkürbissen, auch Kalebassen genannt, oder Pilgerurkunden, die den Besitzer als tatsächlich auf einer Pilgerfahrt befindlich auswiesen, vervollständigen das Bild - Schuhwerk und die sonstige Bekleidung unterliegt natürlich der jeweiligen Mode.

Unsere Pilgerwanderung 2011

                   Gruppenbild der Wanderer 2011 - erster Tag

Gestartet wurde nach einer Nacht auf dem Clubgelände bei Großmehring auf dem Marktplatz in Riedenburg, von dort aus wanderten wir zwanzig und noch ein paar zerquetschte Kilometer bis nach Bettbrunn, wo wir nach dem langen Marsch wie Steine im Gemeindesaal neben der Kirche nächtigen konnten. Am Sonntag ging es die restliche Strecke zurück zum Clubgelände nach Großmehring, wo die Wanderung mit einem schönen kleinen Festessen beendet wurde. Innerhalb der Wanderstrecken machten wir mehrfach Rast um die Last der Proviantpäckchen etwas zu erleichtern.Ganz schön bepackt

Jeder trug zur gesamten Klamotte (bei der stellenweise herausblitzenden Sonne gar nicht mal so kühl) etwas Wasser und Reiseverpflegung für den aktuellen Tag bei sich, mindestens eine zusammengerollte Decke oder einen Mantel nebst Unterlage zum Schlafen, manche packten sich auch eine Kiepe voll Gepäck auf den Rücken. Waffen und Rüstzeug kamen nicht mit auf den Weg - immerhin wollten wir Pilgern - dafür hübsche lange Wanderstecken. 

Hier gibt es noch ein paar Bilder der Pilgerreise.

 

 

 

Unsere Pilgerwanderung 2012

                Die Wanderer 2012 vor dem Aufbruch

2012 hatten wir eine gemäßigtere Kilometerzahl für die einzelnen Tage, und liefen an der Donau entlang über das Kloster Weltenburg zum kleinen hübschen Klösterl. Dort verbrachten wir die Nacht auf den getragenen Schlafsachen und wanderten am nächsten Tag, bei unglaublichen Temperaturen von Schatten zu Schatten tappsend,weltenburg 2012 zurück zum Ausgangspunkt.

Tatsächlich war unser Kilometerplan so locker, dass wir unter der Pilgerwanderung oft und lange rasten und ruhen konnten - so zum Beispiel auf einem schattigen Plateau über dem Kloster Weltenburg, wo uns lediglich Vögel und ein paar verirrte Touristen störten.

Weitere Bilder von der Pilgerwanderung 2012 gibt es hier.

 

 

Unsere Pilgerwanderung 2014

Die Pilgerer 2014

Pilgern 2014 mit Schafen

 

 

Die nächste Pilgerwanderung fand 2014 statt und führte uns auf einer wunderschönen Route um Eichstätt herum. Die Ritterschaft war gut ausgerüstet mit Wegzehrung und prächtiger Laune, die Aussicht und das Wetter taten ihr übriges. Zwischendurch begleitete uns eine Herde Schafe mit Kletterdrang, und schlafen konnten wir luxuriös im ausgebauten Dach eines Schuppens bei einem kleinen Schlösschen.

Weitere Bilder der Pilgerwanderung 2014 finden sich in unserer Galerie.

 

 

 

 

 

Pilgerwanderung 2016

           Pilgertruppe 2016

Kapelle

Auch 2016 machte sich ein Teil der frzb wieder auf, um mit Sack und Pack im Altmühltal wandern zu gehen. Unsere ständigen Begleiter waren Myriaden von Stechmücken, aber mit der Aussicht auf ein kühles Radler im altbekannten Klösterl ließen wir uns davon nicht unterkriegen. Auch nicht von leichten Orientierungsproblemen, Zecken und der Hitze - und es lohnte sich! Wir fanden unerwartet eine winzige Dorfwirtschaft zur Rast, eine wunderhübsche kleine Holzkapelle mitten im Wald, üppige Wildblumenwiesen und wanderten auch durch kühle Waldstrecken. Es bleibt dabei, die Pilgerfahrten der frzb sind jedes Mal aufs Neue spannend und schön.

Einige Impressionen finden sich auf unserem Flickr-Account